München Venedig Tag 5

Tag 5 - von Vorderriß zur Falkenhütte

Traumhaftes Herbstwetter begleitet uns auf dieser Etappe über Hinterriß hoch zur Falkenhütte. Zudem überschritten wir die erste Ländergrenze. Viel Spaß beim Lesen…

Ein paar Zahlen:

Die Strecke als Route und als Höhenprofil:

Gut ausgeruht, nur kurz unterbrochen vom sehr frühen Aufstehen unseres „Lager-Mitbewohners“ ging es früh aus den Betten. Unser Frühstück wollten wir dann in ca. 2 Stunden am ersten Tagesetappenziel Hinterriß einnehmen.

Das frühe Loslaufen sorgte für ein geringes Verkehrsaufkommen auf der Straße, der wir die ersten ca. 8 km folgen mussten. So wurde auch Olis Murren über die langweile Hatscherei immer leiser. Das Wetter verhieß gutes und der letzte, durchs Tal wabernde Nebel wurde schnell von der Sonne weggebrannt. Im mystischen Schatten-Lichtspiel kamen wir so zügig voran. Neben einigen schönen Anblicken sorgte auch noch ein Hubschraubereinsatz an einer Handymast-Baustelle für kurzweiliges Wandern.

Strasse von Vorderriß nach Hinterriß
Nebelschwaden ziehen im Tal umher
Der Rißbach stürzt durch eine enge Felsklamm
Der Rißbach stürzt durch eine enge Felsklamm

Recht schnell gelangten wir dann auch an die Österreichische Grenze, die erste Landesgrenze, die wir auf der Tour überschreiten durften. Gleich hinter einer Brücke unter der sich mit lautem Tosen das Wasser durch eine Klamm zwang kamen wir also in Tirol an. Wenn auch es nur ein kleines Stück des Weges war, den wir bisher nach Venedig zurückgelegt hatten, so waren solche Teilziele für uns doch immer etwas Besonderes.

Die erste Landesgrenze
Die Sonne geht am Hohljoch auf

Info: Rißbach

Der Rißbach ist ein rund 30 km langer Wildfluss in Tirol und Oberbayern, der das Rißtal durchfließt. Er hat seinen Ursprung am Zusammenfluss mehrerer Quellbäche im Enger Grund des Naturparks Hinterriß-Eng im Karwendel in Tirol. Wenige Kilometer nördlich von Hinterriß überquert der Wildfluss die Grenze zu Bayern und mündet bei Vorderriß in der Nähe des Sylvensteinstausees in die Isar. Um die verfügbare Wassermenge für das Walchenseekraftwerk zu erhöhen, wird das Wasser des Rißbach seit 1951 oberhalb der Mündung in die Isar durch den rund sieben Kilometer langen Rißbachstollen in den Walchensee abgeleitet. (Quelle: Wikipedia)

Wenige Kilometer später, nun stetig begleitet vom rauschenden Rißbach, konnten wir schließlich die Teerstraße verlassen. Weiter ging es dem Bach entlang auf einer geschotterten Forststraße. Um ca. 10.00 Uhr erreichten wir schließlich Hinterriß, wo wir im Gasthof zur Post unser wohlverdientes und luxeriöses Frühstück zu uns nahmen. Die Sonne genießend saßen wir dann doch länger als geplant. Dies war auch der Zeitpunkt der Wahrheit, welche uns der letzte Anruf am Karwendelhaus bringen sollte. Der Wirt dort riet leider nach wie vor vom Aufstieg über das Schlauchkar ab. Die Sonne der letzten Tage hatte zwar den Schnee weiter schmelzen lassen, doch die noch immer großen Schneemassen würden den ohnehin anstrengenden Anstieg noch deutlich erschweren. Etwas Enttäuschung machte sich breit, denn wir hatten die letzten Tage doch die Hoffnung, unsere diesjährige Tour mit der Königin des Karwendel, der Birkarspitze krönen zu können. Diesen Plan mussten wir jetzt fallen lassen. Statt dessen würde unsere weitere Tour nun über die Falkenhütte, der Eng und der Lamsenjochhütte rüber ins Inntal führen.

An dieser Stelle möchte ich alle Wanderer ermahnen, sich immer an die Ratschläge der Einheimischen und speziell auch der Hüttenwirte zu halten. Eigentlich ganz selbstverständlich, mussten wir es doch immer wieder erleben, wie andere Wanderer das Diskutieren anfingen oder die Ratschläge einfach in den Wind schlugen. Das Hochgebirge ist kein Ort für Leichtsinn. Auch uns fiel es schwer, nicht auf der Orginalroute weiter gehen zu können, doch solche schmerzhaften Entscheidungen gilt es im Gebirge öfters zu treffen.

Der Rißbach ist unser Begleiter
Der Rißbach ist unser Begleiter
Wir erreichen Hinterriß
Wir erreichen Hinterriß
Nach dem Frühstück geht es weiter.
Nach dem Frühstück geht es weiter
Immer wieder bieten sich uns tolle Panoramablicke
Immer wieder bieten sich tolle Panoramablicke
Die herbstlichen Bäume strahlen im Sonnenlicht.
Die herbstlichen Bäume strahlen im Sonnenlicht

Etwas missgestimmt brachen wir so auf, wurden aber vom Traumwetter und der wunderschönen Natur um uns herum schnell wieder auf andere Gedanken gebracht. Kurz hinter dem Ort ging es über eine Forststraße wieder in den Wald, wo wir dann dem Torbach in seinem Tal bergauf folgenden. Schon bald konnten wir auf einen kleinen, landschaftlich viel schöneren Pfad wechseln. Die kleinen Bäche am Wegesrand dienten uns an diesem heißen Tag auch immer wieder als willkommene Erfrischung. Als die Mittagszeit verstrichen war, machte sich bei uns schon wieder Hunger breit und an einer Stelle mit wunderbarem Ausblick schmissen wir unseren Kocher an. So lagen wir in der Sonne, den Ausblick und die Vorfreude aufs Essen genießend, erneut ein Augenblick für das Buch der unvergesslichen Momente. Dank Olis Foto von mir habe ich auch heute noch eine schöne Erinnerung an diesen wundervollen Ort.

Dieses wundervolle Tal geht es hoch.
Dieses wundervolle Tal geht es hoch
Oli lässt sich das Mittagsmal an diesem traumhaften Ort schmecken.
Nach demOli lässt sich das Mittagsmal an diesem traumhaften Ort schmecken.
Mit Wahnsinns Aussicht die Mittagspause genießen.
Mit Wahnsinns Aussicht die Mittagspause genießen.
Und weiter gehts nachdem wir uns gestärkt haben.
Und weiter gehts nachdem wir uns gestärkt haben.
Solche Bäche erfrischen uns immer wieder bei der Hitze.
Solche Bäche erfrischen uns immer wieder bei der Hitze.

 
Solche Bäche erfrischen uns immer wieder bei der Hitze.
Nach der leckeren Mahlzeit fiel es uns richtig schwer weiterzuziehen. Doch der stetige Drang, danach zu sehen was uns als nächstes erwartete, ließ uns doch immer schnell wieder auf Touren kommen. Der Weg schlängelte sich noch eine Weile entlang des Tales bevor wir wieder auf die Forststraße kamen. Waren uns bisher nur ein paar wenige Wanderer begegne,t so mussten wir jetzt doch immer wieder den mehr werdenden Mountainbikern ausweichen. Als bald weitete sich das Tal etwas und wehmütig blickten wir auf den Wegweiser zum Karwendelhaus, bevor wir nach links auf unsere Alternativroute einschwenkten.

Und weiter geht es wieder auf einem breiten Forstweg.
Und weiter geht es wieder auf einem breiten Forstweg.

Info: Karwendelhaus

Das Karwendelhaus ist eine Alpenvereinshütte des Deutschen Alpenvereins in 1771 m ü. A. Höhe. Sie ist ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Mountenbiker. Direkt oberhalb der Hütte ist der Einstieg in das Schlauchkar welches hoch zur Birkarspitze führt. (Quelle: Wikipedia)

Hier trennen sich die Wege. Statt zum Karwendelhaus schlagen wir hier den Weg zur Falkenhütte ein.
Hier trennen sich die Wege. Statt zum Karwendelhaus schlagen wir hier den Weg zur Falkenhütte ein.
Dem Torbach folgend geht es weiter bergan.
Dem Torbach folgend geht es weiter bergan.
Wege wie dieser geben der Route ihren Namen - Der Traumpfad
Wege wie dieser geben der Route ihren Namen - Der Traumpfad
Torbachtal.
Nochmal der Blick zurück ins Torbachtal
Laliderer Wände
Hoch zur Falkenhütte und den Laliderer Wänden.

Je höher wir kamen, desto schöner wurden die Blicke auf die Berge ringsherum. Spät am Nachmittag schließlich kamen wir an ein paar Wiesen mit wunderschönen alten Almhütten vorbei, leider alle geschlossen. Da es aber nicht mehr weit bis zur Falkenhütte war, hätten wir sowieso keine Pause mehr eingelegt. Ich erinnere mich noch genau, als die Hütte dann oben am Berg auftauchte, scheinbar in Griffweite. Doch es war, als ob jemand diese immer wieder von uns wegzog. So zogen sich die letzten Meter den Berg hinauf, schier endlos. Vielleicht war es die Müdigkeit, die einen solche Eindrücke vermittelt, aber noch heute kann ich mich gut erinnern, wie es sich anfühlte.

Der lange Weg hoch zur Falkenhütte.
Der lange Weg hoch zur Falkenhütte.
Falkenhütte Panorama
Der lange Weg hoch zur Falkenhütte.
Die Falkenhütte.
Die Falkenhütte
Falkenhütte mit dem Lager und Bergpanorama.
Falkenhütte mit dem Lager und Bergpanorama.
Alex genießt die letzten Sonnenstrahlen an der Falkenhütte.
Alex genießt die letzten Sonnenstrahlen an der Falkenhütte.

Schließlich erreichten wir die Hütte doch. Sie lag schön auf einem Hügel am Fuße der Laliderer Wände. Das in der Luft an einem Stahlseil hängende Fahrrad zwischen Hütte und Lager fiel mir gleich auf und wurde dann abends auch ein schönes Fotomotiv. Schnell ließen wir uns eine Kammer zuweisen, schmissen unser Zeug aufs Bett und waren schon mit einem kalten Bier vor der Hütte. Voller Freude entdecken wir dann auch noch freie Liegestühle in der Sonne. Unser Glück war perfekt, naja, zumindest ca. 15min. Denn als dann die Sonne hinter der hohen Felswand verschwand, war es, als ob uns jemand in den Kühlschrank geschoben hatte. Es war halt doch schon September und zusätzlich die Höhe sorgte dafür, dass es draußen keine lauen Abende mehr geben sollte. Doch die 15 min alleine waren den ganzen langen Aufstieg wert. Ausgepowered in der Sonne liegen, ein kühles Bier in der Hand … ich denke viele von euch wissen wie man sich da fühlt. So tranken wir unser Bier fertig und gingen uns erst mal kultivieren. Leider war auf der Hütte die Dusche defekt und so blieb es bei einer Katzenwäsche. Da die Zeit doch schon recht fortgeschritten war, war es bereits Zeit zum Abendessen. Wir saßen zusammen mit einem jungen Österreicher und einem Deutschen am Tisch. Aus dem sehr netten und interessanten Gespräch erfuhren wir erst späte,r dass es sich bei dem Deutschen um Marc Zahel, einem Autoren für Bergtourenbücher handelte. So waren die Gespräche geprägt von Erzählungen interessanter Touren, welche Oli eifrig mitnotierte. Da fällt mir gerade ein, dass ich Oli noch nach seinen Aufzeichnungen fragen muss. Unterbrochen durch ein nächtliches Fotoshooting draußen vor der Hütte, den beeindruckenden Sternhimmel über dem Karwendel bewundernd, war es ein sehr kurzweiliger und interessanter Abend. Als wir später zurück in die Hütte gingen waren unsere Gedanken noch lange beim fantastischen Nachthimmel, den viele hier in der Hütte verpassten. Todmüde gingen wir dann auch schon bald in unser Sechsbettzimmer, das wir uns mit vier anderen Mitwanderen teilten.

Sonne trifft Berg.

Info: Laliderer Wände

Die Laliderer Wände sind eine aufeinanderfolgende Reihe fast senkrechter Felswände in der Hinterautal-Vomper-Kette im Zentrum des Karwendels und eines der bekanntesten Klettergebiete der Nördlichen Kalkalpen. Die Wände sind etwa 900 Meter hoch und reichen bis knapp unter die Gipfelbereiche von Laliderer Spitze (2588 m ü. A.) und Grubenkarspitze (2663 m ü. A.). Quelle: Wikipedia

Nachtbilder von der Falkenhütte

Fast ist es geschafft, unser Weg über das Karwendel. Auch dies wird für uns ein unvergesslicher Tag auf dem Traumpfad bleiben.